Filament-Test Mucola 3D-Fuchs PLA Natural Black

Die mit meinem Anycubic i3 mega (Link Vorstellung/Ersteinrichtung) mitgelieferte 1 kg-Spule hat sich mit dem Druck meines selbstentworfenen OctoPi-Gehäuses in schwarz noch weiter dezimiert.

Schon da fiel mir auf, dass das Anycubic-PLA doch eher brüchig ist. Die bittere Erfahrung musste ich machen, als ich mir einen Rollenhalter für Filament-Spulen von Thingiverse ausdrucken wollte. Bei dem Design werden Kugellager mit 8 mm Innendurchmesser in den Ausdruck gepresst. Dementsprechend hat das Design einen 8mm-Zapfen. Und der brach mir trotz aller Vorsicht beim Einpressen regelmäßig beim Anycubic-PLA ab. Ich habe die Teile bestimmt 10 mal mit dem Anycubic PLA ausgedruckt und war extrem vorsichtig, ganz rechtwinklig einzudrücken, damit ja nichts abbricht. Ist trotzdem merfach passiert.

Ansonsten lässt sich das Anycubic PLA schön drucken und hat auch eine schöne, anthrazite Farbe. Aber außer der schlechten Bruchfestigkeit des Anycubic PLAs sagt mir auch der Preis von rund 22 Euro nicht zu.

Nachdem das Sunlu PLA+ ein Reinfall war, ging ich weiter auf die Suche nach einer Rolle schwarzem PLA.

Und stieß auf das PLA von 3D-Fuchs (eine Handelsmarke von mucola) zu 11.75 Euro, und das inkl. Versand. Für den Preis dachte ich mir, dass ich nicht allzuviel mit dem Kauf und Test einer Rolle falsch machen könnte. Außerdem sitzt der Verkäufer mucola in Deutschland und hat einen eigenen Onlineshop. Und in Deutschland gilt das verbraucherfreundliche Fernabsatzgesetz.

Außerdem gibt es das Filament nicht nur auf eBay, sondern auch im Onlineshop des Verkäufers. Da kostet es allerdings zur Zeit 14.90 Euro zzgl. Versandkosten. Dort könnte man es immer noch bekommen, wenn man sich erst einmal drauf eingeschossen hätte und es auf eBay nicht mehr erhältlich wäre.

Die Frage, die sich mal wieder stellt ist: Taugt das auch was? Um das herauszufinden, will ich das schwarz (natural black) heute mal eingehender testen.

Filament-Daten des Verkäufers: 3D-Fuchs PLA Filament – schwarz – 1 kg 1.75mm Artikelnummer: 1000 2105 aus: Deutschland Preis: 11.75 € (über eBay) Eigenschaften: • 1x netto 1KG Spule für 3D Drucker aus 1,75mm PLA • Maße PLA: 1,75mm / Toleranz: +/- 0,02 mm • Spulenabmessungen: Außen: Ø 200mm ; Aufnahme : Ø 60mm; Breite: 65 mm • Farben: Schwarz,Weiß,Rot,Transparent,Blau,Grau,Gelb,Silber,Gold oder Grün - bitte auswählen • Menge: 1000g gewickelt auf ABS Kunststoffspule (Bruttogewicht: 1220g) • Verarbeitungstemperatur PLA: 190-230 °C • Material: Reines PLA • Spule eignet sich für alle gängigen 3D Druckermodelle • Sehr hohe Festigkeits- und Zähigkeitseigenschaften • Ideal für die Herstellung von Funktionsteilen • Keine Blasenbildung • Keine Geruchsbildung • Hitzebeständig • Farbwechsel durch Temperatur • Optimale Qualität

Bestellung / Versand / Verpackung


Das Versand erfolgte aus Deutschland mit DPD. Gekauft wurde das Filament am Black Friday (gab noch einmal 10% Rabatt von Ebay obendrauf), den 29.11.2019. Angekommen ist es dann am Mittwoch, 04. Dezember. Das ist jetzt nicht superschnell, aber mit dem Hintergrund, dass am Black Friday bestellmäßig natürlich die Hölle los ist, okay.

Aufgefallen war mir nebenbei, dass die Bewertung der Transaktion auf eBay durch den Verkäufer erst 2 Tage nachdem ich meine positive Bewertung auf eBay abgegeben hatte, eintrudelte. Scheint so, aus ob man dort darauf wartet, dass der Käufer die Bewertung zuerst abgibt. Was ich schlechten Stil finde. Das weckt in mir immer so den Gedanken, dass es keine positive Rückbewertung gibt, wenn der Verkäufer mit der Käuferbewertung nicht zufrieden ist. Muss natürlich nicht so sein, aber das Geschmäckle ist schon da. Ich finde, der Käufer hat mit der Bezahlung (die bei mir sofort per PayPal erfolgte) seine Pflichten erledigt und gehört auch gleich bewertet. Was die allermeisten Verkäufer auch so machen. Wenn jetzt auch noch die Käufer auf die Bewertung des Verkäufers warten, dann bewertet bald niemand keinen mehr. Das nur so nebenbei.


Was ich ein wenig unschön fand, ist, dass der Versand ohne Umverpackung erfolgte. Auf den üblichen Filament-Karton mit seitlichem Ausschnitt (durch den man die Rolle sehen kann) wurde einfach der Adressaufkleber gepappt und ab damit. Das der Filamentkarton nicht besonders stabil ist, auch gerade durch den Ausschnitt, dürfte klar sein. Ich benutze den auch später noch für die Lagerung des Filaments. Durch den Versand leidet der natürlich ein wenig und ist nicht mehr ganz sauber.

Auf der anderen Seite: was soll schon groß kaputt gehen? Die Filamentrolle selbst ist ja eingeschweißt und bleibt sauber und so schnell ist auch keine Ecke des Plastiks der Spule ausgeschlagen. Ich glaube, bei dem günstigen Preis kann man damit leben.


Leben muss man auch damit, dass die Filamentrolle nicht vakumiert, sondern nur luftdicht eingeschweißt ist. Auch ist nicht, wie sonst üblich, ein Päckchen Trockenmittel (Silica Gel) mit eingeschweißt. Aber auch das ist nicht so schlimm. Die Luftfeuchtigkeit wird sich nicht mehr im Innern ändern, solange die Einschweißung luft- und wasserdicht ist.

Auch da kann man drüber wegsehen. Allerdings kamen da so langsam Zweifel an der Qualität auf - hat man auch beim Filament selbst zu sehr gespart und taugt es zum Schluß nichts? Das sollte sich jetzt nach dem Auspacken zeigen.

Die Spule hat übrigens keine seitlichen Aussparungen, mit denen man von der Seite sehen könnte, wieviel Filament noch auf der Rolle ist. Klar kann man auch ohne leben, aber da ist ein weitere fehlende Kleinigkeit, bei denen man sich denkt: "Da hat jemand mitgedacht.". Auf der anderen Seite ist eine durchgängige Spule natürlich stabiler, deswegen vielleicht gar nicht schlecht beim Versand ohne Umverpackung.


Das Filament ist zwar nicht perfekt, aber ziemlich ordentlich auf die Spule gewickelt. Ich glaube, dass ich keine Probleme mit Verknotungen bekommen werde.

Als erstes wollte ich überprüfen, ob die Versprechung von ± 0.02 mm Toleranz ein leeres ist, oder ob das Filament diese Spezifikation einhält.

Dazu habe ich zehn unterschiedliche Stränge der äußeren Schicht (bzw. wo ich gerade gut heran kam) auf ihren Durchmesser gemessen. Bei einem Spulendurchmesser von ca. 20 cm macht das also einen Mindestabstand von ca. 63 cm zwischen den Messungen:

Filament Durchmesser Messungen: 1.73 1.74 1.74 1.72 1.74 1.74 1.75 1.72 1.72 1.73 min: 1.72 max: 1.75 (± 0.03) Die Filamentdicke scheint hier gut zu passen und stellenweise nur ein wenig geringer als 1.75 mm zu sein. Die Gleichheit der Dicke ist gut mit nur ± 0.02 bis 0.03 mm Abweichung. Dei angegebene 0.02mm-Toleranz wird zwar nicht ganz eingehalten, aber das Filament ist nahe dran.

Ich habe für dieses Filament die Einstellungen in Ideamaker für das Hobbyking Filament übernommen, aber die Temperatur auf 210°C (in die Mitte des empfohlenden Bereichs von 190 bis 230) heruntergesetzt. Damit ließen sich sofort die Leveling-Plättchen in Top-Qualität aufs Druckbett bringen. Dann habe ich einen Temp-Tower ausgedruckt und habe 190°C als optimale Temperatur abgelesen und das als neuen Wert in den Slicer eingetragen.

Persönlicher Eindruck

Mein persönlicher Eindruck des Filaments lässt sich ungefähr so beschreiben: Gewicht brutto: 1153 g Gewicht netto: sollten 1000 g sein, wird sich noch zeigen (Leerspule sollte 153g wiegen) Farbe: auf der Spule ist das Filament seidenmatt. Nach dem Druck wird es glänzend mit glatter Oberfläche. Das ist wohl, was der Verkäufer mit "Farbwechsel durch Temperatur" meint. Sattes schwarz, das Anycubic PLA ist dagegen eher ein anthrazit. Sauberkeit: kleine Staubpartikel auf dem Filament (sieht man bei schwarz natürlich auch besonders gut). Vielleicht doch besser einen Filamentfilter benutzen. Oberfläche: leicht rauh (bzw. eher geschmeidig) vor dem Druck. hart, glatt und glänzend nach dem Druck. Konsistenz: steif und hart, schwer biegsam, aber flexibel und nicht brüchig Temperaturen: 190 °C Extruder, 60 °C Bett Betthaftung: gut auf Anycubic UltraBase, Bett sollte aber vorher gereinigt werden von dem Bruchzylinder (max. 10 cm) schaffte das Filament etwa 7 cm, bevor der 5mm-Turm die Haftung verlor und umfiel. Warping etc.: kein Warping oder ähnliches. Gutmütiges, unkompliziert druckbares Filament. Adhäsion Layer: sehr gut, ein festes Objekt entsteht Bruchfestigkeit: bei 190° wie auch bei 210° sehr gut. Nicht ganz so gut wie Hobbyking trans orange, aber in einem sehr brauchbaren Bereich. Geruch b. Druck: keiner wahrnehmbar Feuertest: nicht ganz einfach entflammbar, brennt von alleine weiter und wirft dann Tropfen ab. Geruch nach Karamell / Zucker. Keine aufsteigenden Schlieren oder ähnliches. Meines Erachtens nach reines PLA ohne Beimischung anderer Kunststoffe. Druckergebnis: ergibt stabile, bruchfeste Objekte, gleichmäßige Füllung, keine Aussetzer in der Oberflächem stellenweise leichte "Pickel" (zuviel Filament-Extrusion?), nur ganz leichtes Stringing bei höheren Temperaturen. In großem Temperaturbereich druckbar mit guten Ergebnissen. Keine großen Durchhänger bei Brücken. Gesamtnote: gut Eventuell muss die Betttemperatur noch ein paar Grad rauf, damit auch die 10 cm des Bruchzylinders möglich sind. Aber im Alltag drucke ich solche Objekte nicht und es ist schon eine besondere Herausforderung (die Anycubic und Hobbyking PLA aber bei 60°C Betttemperatur gemeistert haben).

Maßhaltigkeit und Bruchfestigkeit


Jedes Filament wird ein wenig anders auf die Druckplatte gebracht oder zieht sich beim Abkühlen noch ein wenig zusammen.

Um zu testen, wie sich die erste Schicht aufs Druckbett legt und ob die einzelnen vom Druckkopf gelegten Linien gut miteinander verschmelzen, hat sich der Druck von fünf Quadraten mit 2 mal 2 cm Breite und 0.2 mm Höhe (entsprechend genau einem Layer bei Druck mit 0.2 mm Layerhöhe) bewährt, wie er auch schon beim Bett Leveling zum Einsatz kam. Die entsprechende 3D-Datei fuenf-quadrate-eine-lage.stl kann hier heruntergeladen werden.

Außerdem läßt sich mit den gedruckten Plättchen sehr gut die Steifigkeit bzw. Flexibilität, die Verschweißung und die Bruchfestigkeit eines Filaments testen.

Desweiterung kommt ein Vermessungswürfel (Download der STL-Datei) zum Einsatz, der die Außenmaße 2 x 2 x 2 cm hat und auf jeder Seite jeweils ein Loch von einem Zentimeter, was eine Wandstärke von jeweils 5 mm ergibt. Diese Werte sollten sich annähernd auch messen lassen. Aus den gemessenen Werte lässt sich ggf. ersehen, dass man einen Druck evtl. ein wenig skalieren muss, zum Beispiel bei Platinenumfassungen, damit diese genau hineinpassen.

Die obere Wand muss der Drucker im Überhang drucken und dabei 1 cm überbrücken. Hier zeigen sich eventuelle Durchhänger, wenn das Material nicht schnell genügend steif wird und wie auf eine ggf. etwas durchhängende Lage im nächsten Durchgang gedruckt wird.

Neu in diesem Test ist das Bruchstäbchen (Download der STL-Datei), ein 10 cm hoher Zylinder mit einem Durchmesser von 5mm, 2 Außenlagen und 20% Füllung. Hier muss sich das Filament auf zwei Arten beweisen:

1. Betthaftung: Das Stäbchen wird ohne Raft (nur mit einem Skirt mit Abstand drumherum) gedruckt und hat so nur eine geringe Fläche (~20 qmm), auf die es auf dem Bett aufliegt und haften kann. Gleichzeitig rührt der Druckkopf auf der Oberseite des Zylinders hin und her, um den nächsten Layer aufzutragen. Mit steigender Höhe wird die Hebelwirkung immer größer und irgendwann fällt der Zylinder um - oder, bei sehr guter Betthaftung, werden die ganzen 10 cm absolviert (von Hobbyking und Anycubic PLA erreicht).

2. Bruchtest: Von den ausgedruckten und abgekühlten Stäbchen wird versucht, Stücke von etwa 15-20 mm abzubrechen. Beim Anycubic PLA geht das z. B. recht einfach, denn dieses ist eher nicht bruchfest. Beim Hobbyking trans orange ist es fast nicht möglich, ohne sich selbst dabei sehr weh zu tun. Hier muss man größere Stücke abbrechen (entsprechend größerer Hebel).

Im folgenden Video teste und vergleiche ich Objekte, gedruckt mit dem getesteten PLA mit bereits vorhandenen, die mit anderen Filamenten gedruckt wurden.



Das getestete 3D-Fuchs-Filament bietet ordentlich Druckergebnisse und eine recht gute Maßhaltigkeit, auch wenn es sich an den Abhebe / Absetzstellen des Druckkopfs kleine Unregelmäßigkeiten abbilden.

Die Brückenbildung ist eher gering. Die Plättchen kamen sehr gut aus dem Drucker, und das über einen weiten Temperaturbereich.

In Sachen Bruchfestigkeit kommt es nicht ganz an die Hobbyking PLAs heran, weist aber durchaus brauchbare Werte auf. Dafür hat es nicht mit Warping zu kämpfen, wie manchmal das PLA von Hobbyking.

Mein Fazit

Das Filament von 3D-Fuchs ist ein sehr brauchbares Filament, dass sich sehr gutmütig gibt und über einen weiten Temperaturbereich gute Ergebnisse liefert. Es ist das Gegenteil von zickig und man muss sich schon fast dumm anstellen, hiermit keine brauchbaren Drucke hinzubekommen.

Auch die Bruchfestigkeit kann sich sehen lassen. Die Betthaftung ist okay bis gut, könnte aber noch ein bisschen besser sein. Eventuell muss man für Bauteile, die sehr hohe Anforderungen an die Betthaftung stellen ein wenig mit der Betttemperatur hochgehen.

Von der Farbe her hätte ich ein seidenmattes Schwarz, so wie es in ungedrucktem Zustand auf der Rolle erscheint, ansprechender gefunden als das glänzende schwarz, das es nach Erhitzen und Ausdrucken liefert. Aber das ist Geschmackssache. Mit dem satten Glanzschwarz kann ich auch gut leben.

Alles in Allem ein unkompliziert druckbares Filament, das den Preis von 11.75 Euro inkl. Versand auf jeden Fall wert ist. Ich werde es weiterempfehlen und werde es wieder kaufen.